70 Jahre Jubiläumsausgabe
EDITORIAL

Sport und Medizin

Sports and Medicine

Zum 70. Geburtstag der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin.



Über Jahrhunderte hinweg benötigte der Sporttreibende den Arzt nur im Falle von Verletzungen und Erkrankungen. Die Medizin konnte nur therapeutisch tätig sein. Das änderte sich mit der Entwicklung einer Präventivmedizin. Durch experimentell fundierte sportmedizinische Grundlagenforschung entdeckte man in den späten 40er- und den nachfolgenden 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, welche morphologischen und funktionellen Adaptationen an Bewegung und Training möglich sind, welche verschiedenen pathologischen Vorgänge im Körper entgegenwirken können. Das gilt sowohl für kardiovaskuläre als auch für metabolische Erkrankungen. Hierdurch entwickelte sich die Sportmedizin zur Speerspitze der Prävention.

Die Wortwahl „Sportmedizin“ setzte sich mit dem zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts mehr und mehr durch. 1958 erfolgte die erste wissenschaftliche Definition des Begriffes:

„Sportmedizin stellt das Bemühen der theoretischen und praktischen Medizin dar, den Einfluss von Bewegung, Training und Sport sowie den von Bewegungsmangel auf den gesunden und kranken Menschen jeder Altersstufe zu analysieren, um die Befunde der Prävention, Therapie und Rehabilitation sowie dem Sporttreibenden dienlich zu machen.“ (Hollmann 1958). Diese Definition wurde vom Weltverband für Sportmedizin 1977 offiziell übernommen.

Im Vordergrund der einschlägigen Forschung, Lehre und Praxis steht dementsprechend die Präventivmedizin. Vornehmlich aus den Forschungen der Sportmedizin entstand eine wissenschaftlich fundierte Trainingslehre als verbindendes Glied zwischen zahlreichen wissenschaftlichen und sportpraktischen Disziplinen. Der Nutzen reicht vom Kindes- und Jugendalter über die Erwachsenenzeit bis zum Seniorenalter.

Dank sportmedizinischer Forschungen über den Einfluss von Bewegung auf das menschliche Gehirn, die in den 1980er-Jahren begonnen wurde, wissen wir darüber hinaus, dass körperliche Bewegung vom Kindes- bis zum Seniorenalter intellektuelle Fähigkeiten durch strukturelle Veränderungen verbessern kann und darüber hinaus die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Demenz wie von Alzheimer verringert.

Durch Forschung erworbenes Wissen bedarf zum Nutzen in der praktischen Anwendung einer möglichst breiten Information der Öffentlichkeit. Schon bei der Gründung der ersten sportärztlichen Vereinigung der Welt („Deutsches Reichskomitee zur wissenschaftlichen Erforschung des Sports und der Leibesübungen“) in Oberhof/Thüringen wurde die Notwendigkeit einer eigenen Zeitschrift erwähnt. Unregelmäßig erscheinende sportmedizinische Mitteilungen existierten bereits Anfang der 1920er-Jahre. Das Informationsblatt nannte sich „Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin“, damals die erste Schrift dieser Art in der Welt. Nach ihrem weitgehenden Untergang in den 1930er- und 1940er-Jahren war es der Verdienst von Ministerialrat Dr. Mallwitz, jahrzehntelang der „gute Geist“ der deutschen Sportmedizin, dass nach seinem unermüdlichem Werben der Tries-Verlag in Freiburg bereit war, eine monatlich regelmäßig erscheinende Zeitschrift herauszugeben. Mallwitz gewann für die Schriftleitung den Oberregierungsrat Dr. med. Hammacher aus Karlsruhe. Das geschah 1954. Als es Hammacher immer schwerer fiel, Autoren für die Zeitschrift zu gewinnen, wandte er sich an mich mit der Bitte, sein Nachfolger zu werden. Ich besaß zu der Zeit enge persönliche Verbindungen zum Deutschen Ärzteverlag in Köln, der sich bereiterklärte, die Nachfolge des Tries-Verlags zu übernehmen. So übte ich die Tätigkeit eines Hauptschriftleiters von 1959 bis 1998 aus. Die Zeitschrift erfuhr einen erfreulichen Aufstieg, der in den 1970er und 1980er-Jahren zu einer Auflagenhöhe von monatlich 15.000 Exemplaren führte. Die heutige Hauptschriftleitung befindet sich beim Kollegen Prof. Dr. med. Jürgen M. Steinacker in besten Händen.

In der DDR spielte bekanntlich die Sportmedizin aus politischen Gründen eine besonders große Rolle. Als offizielles Organ der dortigen deutschen Gesellschaft für Sportmedizin erschien ab 1961 regelmäßig die Zeitschrift „Medizin und Sport“. Ab 1969 erfolgte die gemeinsame Herausgabe mit dem sportmedizinischen Dienst der DDR. Die Hauptschriftleitung befand sich viele Jahre lang in den Händen von Prof. Dr. med. Kurt Franke. Angesichts der politischen Entwicklung zur deutschen Wiedervereinigung wurde das Erscheinen der Zeitschrift 1991 eingestellt.

    Univ.-Prof. mult. Dr.med. Dr. h.c. mult.
    Wildor Hollmann
    Deutsche Sporthochschule Köln
    Am Sportpark Müngersdorf 6
    50933 Köln
    Hollmann@dshs-koeln.de